Technologie im Gespräch: Künstliche Intelligenz Interview zu künstlicher Intelligenz im Jahrbuch zu den Alpbacher Technologiegesprächen

Matthias WEBER / Petra SCHAPER-RINKEL | »Unsere Fähigkeit, sich unser zukünftiges gesellschaftliches Leben vorzustellen, ist begrenzt«

Interview in: Technologie im Gespräch 2018 – Künstliche Intelligenz: Jahrbuch der Alpbacher Technologiegespräche 2018 (Deutsch/Englisch), hrsg von  H. Androsch, W. Knoll, A.Plimon, Holzhausen 2018

PSR »Wir brauchen eine proaktive Diskussion, die darauf abzielt, Infrastrukturen aufzubauen,
welche die KI der Zukunft tatsächlich praktisch so materialisieren, dass sie allen in der Gesellschaft zugutekommt und keine weitere Spaltung bewirkt.«

In einem Gespräch gefragt zu werden, statt selbst zu schreiben, gibt den Raum, grundlegende Fragen viel spontaner und ohne wenn und aber zu beantworten. Der Wissenschaftsjournalist Martin Kugler hat viele kluge Fragen gestellt und wir darauf Antworten gegeben.

Hier eine Auswahl meiner Antworten:

PSR: »Die Entscheidungen werden heute nicht primär in
demokratisch legitimierten Kontexten, sondern von den
großen technologischen Playern getroffen: Sie machen
weltweit Gesellschaftspolitik. Die derzeitige Sozialpolitik
sieht nur die Auswirkungen der Technologien auf die Arbeit wie etwa das Entstehen des Crowdworking-Bereichs. Aber es kommt niemand auf die Idee, sich um die Gestaltung der Infrastrukturen zu kümmern, die arbeits- und sozialpolitisch zentral für die Zukunft sind. Im 19. Jahrhundert hat man aus guten Gründen die Telekommunikation oder die Bahn quasi nationalstaatlich organisiert. Man hat damals gesagt: Das sind die Infrastrukturen, auf denen der Fortschritt beruht. Heute kann man diese Infrastrukturen nicht mehr staatlich aufbauen – das wäre auch Unsinn –, aber sie müssten so gestaltet werden, dass sie für alle Akteure gleichermaßen zugänglich sind.«

Was soll man sich darunter vorstellen?
PSR: »Wenn etwa der Handel in Europa auf einer kollaborativen Plattform stattfinden würde statt auf Amazon, ließe sich der Zugang zu den Daten demokratisch regeln und die Daten – beispielsweise die Veränderungen der Nutzerprioritäten – könnten in jeweils unterschiedlicher Anonymisierung den Konsumentinnen und Konsumenten sowie Firmen zur Verfügung stehen. Dann gäbe es Transparenz und die Möglichkeit der Steuerung, dann könnten auch gesamtgesellschaftliche Vorteile des Wohlfahrtsstaats allen – den Bürgerinnen und Bürgern, den Konsumentinnen und Konsumenten, den Unternehmen, der Industrie – zugutekommen.«

 

 

 

Technologie im Gespräch: Künstliche Intelligenz – Das Buch digital

 

 

Zum Thema Digitalisierung und digitale Infrastrukturen:

Kollaborative Plattformen – Alternativen zu globalen Online-Monopolen – Beitrag im Monitoring von Zukunftsthemen für das österreichische Parlament (2. Bericht Mai 2018)

 

 

Die europäische Informationsgesellschaft: Technologische und politische Integration in der europäischen Politik (Monografie)

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