Buchbeitrag: Die Generierung von Zukunft – Von Utopien zu Idealwelten, Weltmodellen, Szenarien und Foresight

Schaper-Rinkel, Petra: Die Generierung von Zukunft: Von Utopien zu Idealwelten, Weltmodellen und Szenarien. Frietsch, E., Herkommer, C. (Hrsg.), Ideale. Entwürfe einer „besseren Welt“ in der Wissenschaft, Kunst und Kultur des 20. Jahrhunderts, Kadmos, Berlin

Weiträumige Zukunftsvorstellungen sind oft eng verbunden mit positiven oder negativen Utopien, die es zu erreichen oder zu vermeiden gilt.  Mit dem neuzeitlichen Zukunftskonzept gilt die Zukunft als gestaltbar und beinhaltet idealerweise eine Verbesserung des Status quo. Die zugrundliegenden Annahmen darüber, was Zukunft ist, wie sie planbar, kontrollierbar und gestaltbar sein soll, werden selten explizit verhandelt. Dabei hat sich die Art und Weise, wie die ›bessere Zukunft‹ repräsentiert wird und wie versucht wird, sie zu beherrschen und zu gestalten, in den letzten hundert Jahren entscheidend verändert.

Auf den ersten Blick erscheint Zukunft als selbstverständlich. Sprechen wir von ihr, so handelt es sich um ein Gedankenexperiment, in dem ein Ausschnitt des status quo in eine gedachte zukünftige Gegenwart projiziert wird. Das Denken über die Zukunft besteht aus Methoden, Handlungsmöglichkeiten der Gegenwart zu repräsentieren und sie zu reflektieren. Wenn im Folgenden also von Zukunft die Rede ist, dann in dem Sinne, dass sie die heutige Repräsentation von kommenden Gegenwarten auf der Grundlage von spezifischen Hypothesen über die Dynamik der Gegenwart ist.

In der Psychologie der letzten dreißig Jahre gilt Optimismus, also die Erwartung einer ›besseren Zukunft‹, als eine zentrale Handlungs-Ressource für Individuen. In der Politik werden positive Zukunftsszenarien als grundlegend für Handlungsfähigkeit angesehen, da sie eine Voraussetzung dafür darstellen, gewählt zu werden oder in anderer Form an die Macht zu kommen. Zukunft, Ideale und Imaginationen ›besserer Welten‹ sind somit eng aneinander gekoppelt. Wie habe sich die Formen und Methoden verändert, mittels derer die besseren und die idealen Welten der Zukunft narrativ konstruiert werden? In welchem Verhältnis stehen die immer spekulativen Repräsentationen von Zukunft zu den jeweiligen Praxen  der Prognostik und Vorausschau, die in unterschiedlichen Wissenschaftskulturen verortet sind? Die Wandlungen in den Repräsentationsformen von Zukunft werden im Folgenden als Teil von Politiken zur Gestaltung, Beherrschung und Regulierung von Zukunft analysiert. Ich werde diese Wandlungen nicht erschöpfend behandeln, sondern anhand von  einzelnen Zukunfts-Repräsentationen  diejenigen Methoden und Repräsentationsformen analysieren, die jeweils exemplarisch einen Bruch oder eine maßgebliche Ergänzung zu vorherigen Repräsentationsformen darstellen.

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